xmas

Heute ist er also, der Tag an dem ich die Ehre habe, einen Beitrag im diesjährigen Adventskalender von Elke zu verfassen. Die Adventszeit ist bekanntlich eine Zeit der Besinnung und Traditionen. Märchen, Sagen und Geschichten gehören da für mich einfach dazu. Deshalb habe ich habe mir gedacht, dass ich Euch eine kleine Sage aus meiner Heimat präsentiere. Interessanterweise habe ich in beiden Orten von denen die Rede ist, bereits mehrere Jahre lang gewohnt. Ich würde mich deshalb freuen, wenn Ihr mich heute auf meinen Ausflug in den sagenhaften Spessart begleitet :-)

Wohlan, ich präsentiere:

Der Knabenraub im Spessart

Auf dem Berg zwischen Ebersbach und Soden lag eine Burg, die Altenburg genannt. Einer der Ritter, die darin wohnten, hatte zwei hoffnungsvolle Knaben. Diese wurden eines Tages von Räubern entführt. Die zwei Räuber hatten den Schlosspförtner bestochen, der ließ sie in Abwesenheit des Ritters auch ein, so dass sie die Kleinen ohne Mühe in ihre Gewalt bekamen. Hernach ergriffen sie auf den Rossen, welche sie dem Ritter aus dem Stalle holten, die Flucht. Zuvor hatten sie beschlossen, ein jeder solle nach einer anderen Gegend hin fliehen. Und sie versprachen sich gegenseitig: Wenn ja einer von ihnen ergriffen würde, so solle der nur dann den Aufenthalt des anderen angeben, wenn ihm vorher neben der eigenen dessen Begnadigung zugesagt würde.

Der eine nun war nach langem Ritt durch den Wald ermüdet, band sein Pferd an einen Baum und legte sich zur Ruhe nieder, nachdem er dem geraubten Knaben aufs strengste verboten hatte, sich zu entfernen.

Aber der Kleine benützte doch die Gelegenheit zur Flucht und entlief und lief, solange er konnte. Endlich kam er zu einem Köhler, der im Walde arbeitete. Der Köhler vermutete in dem Knaben sogleich ein Kind hoher Leute, fragte ihn aus, und der Knabe erzählte ihm den ganzen Hergang der Sache. Alsbald kehrte der Köhler mit dem Knaben an den Ort zurück, wo der Räuber noch in tiefem Schlafe lag! Da versetzte ihm der Köhler einen Schlag mit der Hacke, so dass er betäubt ward. Dann eilte der Köhler auf dem Pferde des Ritters gegen das naheliegende Dorf Ebersbach.

Von dort hörte er die Glocken, mit denen man wegen des Knabenraubes Sturm läutete. Etliche Ebersbacher Einwohner nahmen den Räuber gefangen und brachten ihn nebst dem Knaben auf die Altenburg.

Nach dem Versprechen, er werde begnadigt, wenn er seinen Kameraden angeben würde, verriet er ihn auch. Und so wurde der andere Räuber mit dem zweiten Knaben eingeholt und sofort hingerichtet. Dem ersten ward Wort gehalten, und er blieb ungestraft, hatte aber keine frohe Stunde mehr. Der Geist des verratenen Spießgesellen verfolgte ihn Tag und Nacht, bis er sich selbst das Leben nahm.

Seitdem sollen auf dem Berge, wo einst die Altenburg stand, und überhaupt auf dem Berge von Soden nach Ebersbach an gewissen Tagen und Nächten Dinge geschehen sein, die harmlose Wanderer in Angst und Schrecken versetzten. Zur Winterszeit erzählen sich die Bauern der Umgegend mancherlei darüber. So hörte ich in Leidersbach, dass zuweilen der Hufschlag eines galoppierenden Pferdes vernehmbar wäre, ohne daß weit und breit ein Pferd sichtbar sei. Und eine Frau habe bei Soden einen Mann am Baum hängen sehen. Sie rief in ihrer Furcht einige Männer herbei, aber als diese ganz nahe hinkamen, war nichts mehr zu erblicken.

025dunklel-klQuellen:

Spessart-Sagen, Valentin Pfeifer, Aschaffenburg 1948, S. 104f
Sagen.at – http://www.sagen.at/texte/sagen/deutschland/bayern/spessart/knabenraub.html

Ich finde es immer wieder spannend in die Geschichte der Heimat einzutauchen und zu erfahren, wie die Menschen lebten und wovor sie sich fürchteten. Auf dem Weg über besagten Berg ist mir zwar zuweilen auch ein wenig seltsam zumute geworden, was aber nichts mit einem unsichtbaren, galoppierenden Pferd zu tun hatte. Doch allein der Gedanke auf den Spuren vergangener Zeiten zu wandeln hat etwas Faszinierendes ;-)

Für die kommenden Wochen voller spannender Adventsbeiträge wünsche ich Euch und mir viel Spaß und danke Elke für die schöne Aktion! :-)

Tags: , , , , ,

43 Comments to “30. November – Adventskalender 2009”

  1. Verena sagt:

    Danke für den schönen Beitrag! Da habe ich doch glatt bemerkt, dass ich schon ewig kein Sagenbuch mehr in der Hand hatte, obwohl ich als Kind begeistert Sagen gelesen habe!
    Liebe Grüße
    Verena

    • Lilo sagt:

      Guten Morgen Verena,
      ich hatte auch schon lange kein Sagenbuch mehr in der Hand, obwohl solche “alten” Geschichten ja sehr schön sind :-) Aber in der kommenden Zeit werde ich sicher auch mal wieder die alten Märchen- und Sagenbücher hervorzaubern
      Liebe Grüße
      Lilo

  2. piri sagt:

    Sagen sind immer wieder schön und haben meist einen wahren Hintergrund. Diese, deine, gefällt mir gut. Danke fürs nacherzählen!

    Eine schöne Adventszeit wünscht dir und deinen Lieben, Petra

  3. Frauke sagt:

    Sagen habe ich auch als Kind sehr gerne gelesen, sicherlich auch, weil nicht so eine Vielfalt an Büchern zur Verfügung stand,

    auch mir war immer klar, dass dahinter eine wahre Geschichte steckt,
    die Vorzeit war oft grausamer als die heutige Zeit ,
    aber es passiert heute leider auch so vieles , dass wir kaum oder nur in Ausschnitten erfahren und leider auch sehr grausam ist.
    heute erlebe ich wie mwine Enkel sich auf die Zauberer- und Gruselgeschichten stürzen, vielleicht auch um die Wirklichkeit zu begreifen

    danke für dii Erinnerung
    Frauke

    • Lilo sagt:

      Liebe Frauke,
      herzlich willkommen :-) Ja, da steckt sicher auch ein Körnchen Wahrheit hinter den Sagen. Ich bin noch auf der Suche nach Sagen, die auch für kleinere Kinder geeignet sind..
      Liebe Grüße
      Lilo

      • piri sagt:

        Sagen sind selten für kleinere Kinder geeignet, meistens geht es um Mord und Totschlag oder um Vergeltung und Gerechtigkeit – wenig kindgerecht erzählt. Da sind Märchen zwar nicht anders, aber schöner verpackt erzählt …

        • Lilo sagt:

          Das habe ich leider auch schon festgestellt, Petra. Für Kinder findet man da nichts. Und es gibt schon auch Märchen, die nicht unbedingt kindgerecht sind. Da muss man sich vorher genau ansehen, was man da vorliest..

  4. GZi sagt:

    Ja diese alten Heimatgeschichten sind toll und spannend und bringen häufig ein anhaltenderes Kribbeln als Krimis, weil sie eine Mischung aus Wahrheit und Dramaturgie sind. Und dann natürlich der unschlagbare Vorteil: man kann an diese Orte gehen und von der Atmosphäre aufnehmen. Sie leben halt, diese Geschichten, ganz herzlichen Dank, dass wir daran teilhaben können!

  5. Nila sagt:

    Herrlich. Ich bin gerade in eine andere Welt eingetaucht. Auch ich liebe Geschichten aus meiner Gegend. Vor Jahren kaufte ich mir “Arsen im Mohnknödel” (Morde aus meiner Gegend dem Mühlviertel) um die Jahrhudertwende und die schönsten Sagen Österreichs.
    Danke für diese schöne Geschichte ;)

  6. Monré sagt:

    Hallo Lilo,
    ich liebe Märchen und Sagen! Und sie passen sehr gut in diese Vorweihnachtszeit.
    Danke dass wir heute bei dir, das zweite Türchen des Adventskalenders öffnen durften….
    Ich wünsche dir eine schöne Zeit,
    herzlichst Monré

  7. Ocean sagt:

    Hallo Lilo :)

    was für eine spannende und ganz schön unheimliche Geschichte – ich kann mir das so richtig bildlich vorstellen. Solche Sagen und Legenden lese ich sehr gern.

    Danke dir dafür :) Ich wünsch dir eine schöne Vorweihnachtszeit und schicke dir liebe Grüße,
    Ocean

    • Lilo sagt:

      Dir wünsche ich ebenfalls eine wunderschöne Vorweihnachtszeit, Ocean :-) Ich finde die Geschichte auch ein bisschen unheimlich, besonders wenn man direkt unterhalb des Berges wohnt, so wie ich früher ;-)

  8. Mamü sagt:

    Liebe Lilo,

    danke schön für diese schöne Sagengeschichte. Genau das Richtige beim Kaffee. :-)

    Liebe Grüße,
    Martina

  9. Helmut sagt:

    Tolle Geschichte aus der Heimat. Bei uns gab es früher mal einen Scharfrichter (Henker). Auch um ihn rankte sich eine solche Sage.

    Herzlichen Dank für deinen Beitrag.

    Salut
    Helmut

  10. rundumkiel sagt:

    Eine schöne Geschichte. Und falls ich jemals dorthin komme und ein Pferd höre, aber nicht sehe, dann weiß ich ja Bescheid…

  11. Brigitte sagt:

    Hallo Lilo

    ich bin jetzt grad durch Elkes Adventskaleneder zum ersten Mal auf deinem Blog gelandet.

    Eine schöne Geschichte, gefällt mir sehr gut, man kann sie so richtig nachfühlen … fühl mich grad noch irgendwo im Wald.

    So jetzt geh ich noch bisschen weiterstöbern bei dir.

    Wünsch dir noch einen schönen Tag und eine friedliche Adventszeit
    Liebe Grüsse von der Insel
    Brigitte

    • Lilo sagt:

      Dann herzlich willkommen bei mir, Brigitte :-)
      Viel Spaß beim Stöbern und ich wünsche dir auch noch eine schöne Adventszeit ;-)
      Liebe Grüße
      lilo

  12. Hallo liebe Lilo,
    mir gefällt es gut, dass du das zweite Türchen mit einer Sage aus deiner Heimat bestückt hast. Früher hatte ich für Sagen wenig übrig, heute hingegen mag ich sie sehr, weil ich in ihnen immer nach dem “Körnchen Wahrheit” suche und gerade dabei bin, unsere Heimat endlich mal zu erkunden. Wenn ich dann also mal mit dem Taunus durch bin *lach*, kommen Odenwald und Spessart dran. Vielen Dank für diese schöne Geschichte und vor allem auch, dass du bei diesem Adventskalender mitmachst, der ja erst durch die Beiträge aller Teilnehmer möglich ist. Jetzt würde ich hier gerne noch ein Kerzchen reinsetzen, aber bei den HTML Tags sehe ich kein Imagetag, also geht’s vermutlich nicht.
    Liebe Grüße und einen schönen Tag noch –
    Elke

    • Lilo sagt:

      Hallo Elke,
      ich finde es schön, dass es solche Aktionen gibt, die verschiedene Blogs miteinander verbinden :-) Vielleicht gibt es ja nächstes Jahr wieder einen Adventskalender.. Aber jetzt freue ich mich erstmal auf die noch kommenden Beiträge :-)
      Wegen dem Bild weiß ich auch nicht, ob und wie das geht. Ich werde mal in den Einstellungen nachsehen, ob man da irgendwas machen kann.
      Liebe Grüße
      Lilo

  13. guild-rez sagt:

    Hallo Lilo,
    wie schön Deinen Beitrag zulesen. Alte Sagen haben wir als Kinder sehr geliebt und gelesen. Gruselige und geheimnisvolle
    Geschichten habe ich bevorzugt.
    Vielen Dank für Deinen Beitrag.
    Liebe Grüße aus Toronto Canada,
    Gisela

    • Lilo sagt:

      Hallo Gisela,
      schön, dass du hier vorbeigeschaut hast :-)
      Oh ja, solche alten Sagen können schon sehr gruselig sein!
      Liebe Grüße nach Toronto
      Lilo

  14. Dein Beitrag hat mir gut gefallen, das gruselige Bild paßt hervorragend dazu.
    Ich habe vor kurzem ein Buch mit russischen Sagen gelesen, die können, genau wie deine, mit jedem Gruselfilm, mithalten.
    LG
    Bbdüm

    • Lilo sagt:

      Muss aber gestehen, dass ich bei dem Bild gemogelt habe – das ist nämlich keins aus dem Spessart, sondern aus dem Westerwald. Ich habe einfach kein Foto aus dem Spessart mehr auf meiner Festplatte :-)
      Liebe Grüße
      Lilo

  15. kalle sagt:

    Ich liebe Sagen, das Unheimliche, Mythische an ihnen. Ausserdem erzählen sie alte Dinge aus der Region, und so erfährt man viel, was früher die Gemüter der Menschen bewegt hat,

    liebe Grüsse Kalle

  16. Ute sagt:

    Ich finde es auch immer sehr spannend bis gruselig…

    LG

    Ute

  17. Manuela sagt:

    danke für deinen schönen Beitrag!

  18. freidenkerin sagt:

    Danke für das Erzählen dieser Spessart-Sage.
    Zu den manchmal nach wie vor seltsamen Begebenheiten in der Gegend, in welcher diese Knabenentführung stattgefunden haben soll, fällt mir ein alter Spruch ein: Es gibt mehr Dinge zwischen Himmel und Erde… ;-)

    • Lilo sagt:

      Huhu Freidenkerin :-)
      An diesen Spruch hatte ich gar nicht mehr gedacht.. schön, dass du mich erinnerst! Es gibt so viele merkwürdige Dinge, die sich niemand erklären kann.. aber doch ist es so

  19. Gerlinde sagt:

    Dank dir, für diese alte Geschichte! Schon als Kind habe ich “Raubersg’schichten” geliebt, die die Großeltern und Eltern erzählt oder vorgelesen haben. Später, als ich schon lesen konnte, habe ich so ziemlich alles verschlungen, was an Sagen- und Märchenbüchern aufzutreiben war. Stimmt schon, dass da auch Blutrünstiges dabei war – damals hat man sich noch keine Gedanken darüber gemacht – aber geschadet hat es weder mir noch meinem Bruder. Wir sind beide absolut gewaltfrei und sanftmütig geblieben.

    • Lilo sagt:

      Freut mich, dass es Euch nicht geschadet hat, Gerlinde :-) Heute macht man sich ja über viel mehr Dinge Gedanken als früher.. aber ich denke, das ist oft auch ganz gut so :-)

  20. Inge aus HH sagt:

    Liebe Lilo,

    das ist eine sehr schöne Sage. Ich wünsche Dir eine schöne Weihnachtszeit und schicke Dir fröhliche Grüße.

    Herzlichst, Inge aus HH

  21. Wortman sagt:

    Ich bin großer Sagenfan :)
    Danke für das Posting. War überaus interessant.

    • Lilo sagt:

      Sagen sind auch sehr spannend, zumal sie meist ja auch auf Begebenheiten beruhen, die sich wirklich so oder in anderer Form zugetragen haben :-)

      Schön, dass es gefallen hat!

Leave a Reply

You can use these tags: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>