Großartiges und spannendes Krimidebüt: „Kaninchenherz“ von Annette Wieners

kaninchenherz-annette-wienersDas Krimidebüt der in Köln wohnenden Journalistin und Drehbuchautorin Annette Wieners ist geglückt. Es ist großartig! Die Spannung zieht sich von der ersten Seite an durch das ganze Buch und steigert sich im letzten Drittel des Buches sogar noch.

Die Geschichte wird immer mal wieder unterbrochen und in kurzen Einschüben dem Leser die Ereignisse von vor zehn Jahren nahegebracht. Auf diese Weise erhält man immer mehr Einblick in die Geschehnisse, aber nie sehr viel, so dass wirklich bis fast zum Schluss die Frage offen bleibt: Was ist damals wirklich geschehen?
Schon bald wird dadurch auch klar, was die schön gestalteten Steckbriefe verschiedener Giftpflanzen zu bedeuten haben, auf die man beim Lesen unwillkürlich stößt. Sehr schön gemacht. Das war ein kleines zusätzliches Highlight!

Der detailreiche, liebevoll-bildliche Schreibstil der Autorin und die interessanten Charaktere machen „Kaninchenherz“ zu etwas ganz besonderem. Die Verhaltensweisen und Reaktionen der Charaktere sind schlüssig. Gerade auch Gesine als Hauptfigur handelt absolut nachvollziehbar, wenn man ihre Vergangenheit berücksichtigt, von der ich als Leserin nach und nach immer mehr erfahre. Und mit jeder Information wächst die Spannung.

Die Charaktere sind auffallend gut dargestellt. Gesine als Hauptfigur, ihr guter Freund Hannes, die Zwillingsmädchen Martha und Frida, ja sogar die verstorbene Mareike wurde in meinem Kopf wieder zum Leben erweckt. Es gibt auch Figuren, die mir anfangs gar nicht sympathisch waren, die später aber dann doch noch mein Herz erobern konnten – und anders herum.

„Kaninchenherz“ ist der erste Band einer Krimi-Reihe. In diesem ersten Band ist Gesine gezwungen, sich ihrer Vergangenheit zu stellen. Unter anderem davon lebt die Geschichte. Ich bin sehr gespannt, wie der nächste Band aufgebaut sein wird. Bleibt Gesine Friedhofsgärtnerin? Oder macht Marina Olbrecht ihr doch noch ein Angebot, in den Dienst der Kripo zurückzukommen?

Ein großartiges und erfrischendes Krimidebüt, das mich überzeugt hat! Das Ende macht Lust auf mehr.

Judith O'Reilly: Stadt, Land – Schluss

stadt, land - schluss

Die schwangere Judith zieht mit ihrem Mann, ihren zwei Kindern und ihrer Katze in ein kleines Cottage in Northumberland. Eigentlich würde sie viel lieber in London bleiben, doch weil sie ihren Mann liebt und dies sein größter Traum zu sein scheint, stimmt sie schließlich zu.
Während ihr Fünf- bzw. Sechsjähriger in der neuen Schule schnell Anschluss findet und von der neuen Heimat einfach begeistert ist, wird ihr Vierjähriger immer ruhiger und unglücklicher. Offenbar wird er in der Schule gemobbt. Doch wie sich herausstellt liegt dies nicht alleine an den anderen Schülern. …

Judith O’Reilly, die Autorin des Buches, ist auch gleichzeitig die Hauptperson in dieser Geschichte, die eigentlich gar keine richtige Geschichte ist, sondern ein Internet-Tagebuch, ein Blog. Mit viel Witz und einer Prise Zynismus schildert sie hier ihren Umzug nach Northumberland, die Krankheit ihrer Mutter, den Umbau des Cottages zu ihrem Traumhaus, die Probleme ihrer Kinder, die in gewisser Weise auch ihr eigenes Leben beeinflussen und eben die vielen kleinen Höhen und Tiefen des Alltags, die das neue Landleben so mit sich bringt.

In Tagebuchform geschrieben entfällt in diesem Buch die Spannung. Die Geschichte ist aus vielen, charmant beschriebenen Begebenheiten und Vorfällen zusammengesetzt, so dass eine Spannungskurve nicht entstehen kann. O’Reillys Buch ist humorvoll und unterhaltsam, dennoch kann man es zu jedem Zeitpunkt aus der Hand legen, um beispielsweise die Wäsche zu waschen, bügeln oder Essen zu kochen. Das perfekte Buch für zwischendurch.

Mit „Stadt, Land – Schluss“ liest man das Tagebuch einer fremden Frau, die so einiges über sich selbst gelernt hat und die dem Leser am Ende gar nicht mehr so fremd erscheint. Man hat das Gefühl eine gute Freundin aus der Hand zu legen.

erscheint am 12. August 2009