Sommerglück im Schwarzwald

Christine Lindner ist voll der Trauer, als ihre beste und langjährigste Freundin Lexi am Krebs stirbt. Lexi war nicht nur Christines beste Freundin, sondern auch Patentante von Christines Tochter Jule. Umso leerer fühlt sich Christine, als Lexi plötzlich nicht mehr da ist. Weder Tochter Jule, noch Christines chaotische Mutter Helga können Christine in ihrer Trauer helfen. Schließlich ist es Lexi, die leidenschaftliche Malerin, die ihrer Freundin nach ihrem Tod hilft, aus ihrer Trauer herauszufinden und wieder zu leben und glücklich zu sein.

Mir gefällt Heike Wanners Schreibstil sehr gut. Wie auch „Weibersommer“ finde ich „Eine Handvoll Sommerglück“ sehr einfühlsam geschrieben. Nicht nur die Hauptfiguren der Geschichte sind charakterstark und liebevoll gezeichnet, sondern auch die handelnden Nebenpersonen, ohne die die Geschichte nicht dieselbe wäre. Alle Figuren sind wirklich einzigartig, die neugierige Postbotin Hildegard, der grummelige „Ziegenhirte“ Norbert, der Nachbar Olli, Jan, der endlich weiß was er will und der sich in Jule verliebt hat. Christine und Jule haben mir als Hauptpersonen gut gefallen, doch die Geschichte lebt vor allem von den Geschehnissen auf der Alm im Schwarzwald, die Lexi Christine vererbt hat. Hier findet Christine die dringend benötigte Ruhe und durch Lexis Erbe ist sie auch nicht gezwungen, in ihren Bürojob zurückzukehren, sondern kann sich so viel unbezahlten Urlaub nehmen, wie sie möchte. Christine haucht der steril wirkenden Alm im Schwarzwald nach und nach wieder Leben ein und renoviert das Haus und den Garten. Nicht immer fällt es ihr leicht, aber nach und nach ist eine Veränderung spürbar und Christine fängt wieder an zu leben und glücklich zu sein.

Heike Wanner erzählt Christines Weg aus der Trauer sehr farbenfroh und lebendig und so soll es ja laut Lexi auch sein, schreibt sie schließlich in einem ihrer Briefe an Christine: „Bring Farbe in dein Leben!“  Als Leserin habe ich hinterher selbst das Gefühl, dringend ein bisschen Farbe in mein Leben bringen  zu wollen, ein klein bisschen Glück einzufangen, um mich noch ein Stück lebendiger zu fühlen.

Der Titel „Eine Handvoll Sommerglück“ spiegelt sehr gut die Empfindungen wieder, die ich beim Lesen hatte. Hier ist ein ganz herzliches Buch entstanden, das ich jeder Roman-Liebhaberin nur empfehlen kann.

„Winterapfelgarten“ – Zurücklehnen und genießen!

Selten hat mich ein Buch so gefesselt wie dieses. Mit viel Wärme und wunderbar gezeichneten Charakteren erzählt Brigitte Janson (alias Brigitte Kanitz) von der Freundschaft zwischen drei Frauen.

Claudia, die mit 51 plötzlich ohne Arbeit dasteht, ihre Tochter Jule, die seit einem schweren Reitunfall in Schwermut versinkt und Sara, eine Anwaltsgattin, die sich von ihrem Mann Christian scheiden ließ, sind seit Jules Geburt eng miteinander befreundet. Vielleicht ist es das Schicksal, das dafür sorgt, dass Claudia auf einer Bank ausgerechnet einen Winterglockenapfel aus dem Alten Land findet. Claudia erkennt in dem alten Bauernhof mit dem Apfelgarten eine Chance. Eine Zukunft für sich, ihre Tochter Jule und für Carina, das Pferd, mit dem der Unfall passierte. Um das baufällige und stark renovierungsbedürftige Bauernhaus bewohnbar zu machen, haben die Frauen aber alle Hände voll zu tun: das Dach müsste eigentlich komplett erneuert werden, Schimmel hat schon einige Stellen der Wände erobert und die Heizung fällt immer wieder aus. Auch der Nachbar, Johann van Sieck, lässt keinen Zweifel daran aufkommen, dass die Freundinnen unerwünscht sind. Seine eigenbrötlerische Art macht Claudia und Sara Angst und außerdem hat er ungewöhnlich großes Interesse an dem Apfelgarten, obwohl er selbst einen riesigen – und viel größeren – Apfelgarten besitzt. Nur Jule, die ebenfalls kein Blatt vor den Mund nimmt, ist beeindruckt von seiner ruppigen, direkten Art und freundet sich mit dem Nachbarn an.
Und dann steht plötzlich Elisabeth vor der Tür. Die ist zunächst total verwirrt von den drei Frauen, braucht aber deren Hilfe bei einer Autopanne. Zum Dank bietet sie ihre Kochkünste an und mit dem Duft des selbstgekochen Essens und Elisabeths Gabe, ein Heim zu schaffen, hält die Gemütlichkeit Einzug in den Apfelhof.

Das Buch ist geprägt von der Freundschaft zwischen diesen drei völlig unterschiedlichen Frauen. Seit Jules Geburt verknüpft sie ein besonderes Band. Das ist aber nicht immer leicht, denn Claudia fühlt sich zu Beginn des Buches auch von dieser starken Beziehung eingeengt. Im Lauf der Geschichte wird sie immer lockerer und schließlich gelangt sie zu einer entscheidenden Erkenntnis. Dieses Zitat hier drückt es wohl am Besten aus:

„Noch vor wenigen Wochen hatte sie geglaubt, sie sei sich selbst fremd geworden, sie habe sich verloren. Jetzt begriff sie, dass sie sich selbst in Wahrheit neu erfand. Alles brauchte eben seine Zeit.“

Die flirtbegeisterte Sara macht jedem Mann im Alten Land schöne Augen, womit sie sich keine Freunde macht. Ganz im Gegenteil, denn die Altländerinnen lassen sich ihre Männer nicht ausspannen und so ist Sara nirgendwo gern gesehen. Doch als eine schwangere Frau Saras Fähigkeiten als Hebamme benötigt, erhält sie plötzlich eine Chance aus ihrer jahrelangen Unzufriedenheit zu entkommen.

Jules Reitunfall und die daraus resultierenden Probleme und Gefühle, auch in der Beziehung zwischen Mutter und Tochter, machen neben der Freundschaft einen großen Teil des Buches aus. Zunächst lässt Jule niemanden an sich heran, vergräbt sich in ihrer Wohnung. Einzig ihre „Krüppel“-Freundin Ilka, wie diese sich selbst nennt, scheint sie zu verstehen. Ihrer Mutter Claudia gelingt es dann, sie zu überreden, auf den Apfelhof zu kommen, wo sie wieder ein Stückchen mehr zu ihrer alten Lebensfreude zurück findet. Außerdem ist es immer wieder lustig zu lesen, wenn Jule oder irgendein Nachbar ein neues Tier anschleppt, das dringend wieder aufgepäppelt werden muss. Ein Schaf mit drei Beinen, Lotte, das alte Pferd von Johann van Sieck oder ein Schwein namens Schinken. Jule kriegt sie alle, denn sie ist einfach wahnsinnig tierlieb und hat ein großes Herz.

Johann van Sieck, der Apfelbauer vom Nachbarhof, hat von Anfang an ein Geheimnis, das spürte ich als Leserin sofort. Die Autorin lässt den Leser da auch eine ganze Weile lang zappeln und schafft es, diese Figur immer ein bisschen mehr in die Handlung einzubinden. Mit jedem Kapitel erscheint er präsenter, bis er schließlich gar nicht mehr wegzudenken ist. Und auch er hat, genau wie Jule, einen schweren Schicksalsschlag hinter sich.

Natürlich kommt auch dieses Buch nicht ohne Männer aus. Denn was wäre das Leben ohne die Liebe? Irgendwie ein bisschen farblos, finde ich. Und offenbar fand das auch die Autorin. Aber wie im echten Leben läuft auch das nicht ohne Missverständnisse und Gefühlschaos ab. Die Liebe findet dabei ganz selbstverständlich ihren Weg durch die Geschichte, ohne dass es zu „gewollt“ wirkt.

Alle Charaktere sind mit großem Einfühlungsvermögen beschrieben, jede Figur hat ihre Eigenheiten und Daseinsberechtigung und so konnte ich mich sehr gut in die einzelnen Personen hineinversetzen. Es ist ein richtiger Leseschmaus für die Seele, bei dem sogar die Hühner mit besonderer Aufmerksamkeit bedacht werden! Die Namen derselben möchte ich hier nicht verraten, aber ich habe wirklich Tränen gelacht. Brigitte Jansons Scheibstil ist geprägt von einem unglaublichen Wortwitz einerseits und andererseits von sehr viel Liebe zum Detail und zu ihren Protagonisten.

In den zwei Tagen, die ich zum Lesen gebraucht habe, sind mir die Protagonisten so ans Herz gewachsen, dass dieses Buch einen Ehrenplatz bei mir erhält. Ich möchte es nicht mehr hergeben.

„Winterapfelgarten“ ist einfach herzerwärmend, erfrischend ehrlich und fesselnd von der ersten bis zur letzten Seite. Die ideale Geschichte für kalte Winternächte, die man eingekuschelt auf dem Sofa verbringt. Mit vollem Recht bekommt dieses Buch von mir fünf (von fünf) Sterne, obwohl es eigentlich zehn verdient hätte! :inlove:

Lesen, lesen, lesen!

Nachdem ich am Sonntag Abend von der Frankfurter Buchmesse nach Hause gekommen bin, war ich total erledigt und hatte rasende Kopfschmerzen. Aber dennoch war meine Freude sehr groß, als ich feststellte, dass zwei Bücher für mich angekommen sind: „Nimm das Glück in beide Hände“ von Antje Szillat und „Winterapfelgarten“ von Brigitte Janson.

Da die Leserunde bei Lovelybooks mit Antje Szillat startet, wenn das Buch angekommen ist, habe ich mir das zuerst vorgenommen. Und was soll ich sagen: Das Ende ist leider schon nah! Drei Leseabschnitte liegen schon hinter mir  :girlsmile:

Im Anschluss lese ich dann „Winterapfelgarten“, das ich bei vorablesen gewonnen habe und zu dem ich ebenfalls eine kleine Rezension schreibe.

Keine Gnade von Daniel Annechino

Genevieve Foster lernt in einer Bar Julian kennen, der vorgibt, in der Immobilienbranche tätig zu sein. Obwohl sie eine innere Stimme warnt, begleitet sie ihn in sein Loft, wo sie einige Zeit später in einem Bett gefesselt aufwacht und an einem Tropf hängt. Julian ist Kardiologe und versucht ein neues Medikament auf den Markt zu bringen, doch dafür braucht er lebende „Studienobjekte“, wie er es nennt. Für das Wohl der Allgemeinheit ist er bereit, das Leben einer Einzelnen zu opfern. Und dass seine Versuchspersonen nicht überleben werden, scheint für ihn klar zu sein.

Dieses Buch ist der zweite Band um die Ermittler Sami Rizzo und Al Diaz. Sami Rizzo, ehemalige Beamtin bei der Mordkommission und Alberto Diaz feiern ihren zweiten Jahrestag. Sami Rizzo war vor einiger Zeit die Geisel eines Serienmörders und sollte wie vier andere Frauen gekreuzigt werden. Seither wird sie von Albträumen geplagt und geht zu einer Therapeutin.

Daniel Annechino schreibt lebendig und sehr spannend, so dass man sich sofort in die Geschichte einfinden kann. Seine Charaktere sind liebevoll beschrieben und sein Schreibstil ließt sich flüssig und unterhaltsam.

Die gesponnene Story ist interessant und stimmig. Das Buch hat keine unnötigen Längen, man mag es gerne lesen! Der Spannungsbogen ist von Anfang an da und zieht sich langsam steigernd durch das gesamte Buch. Ein hervorragender Thriller!

Später Frost – Der erste Fall für Ingrid Nyström und Stina Forss

„Später Frost“ ist der erste Kriminalroman von Roman Voosen und Kerstin Signe Danielsson.
Das Krimidebüt beginnt mit einem Ereignis aus der Vergangenheit: 1948 wird in Jerusalem ein Anschlag verübt. Der Schwede Henrik Larsson wird dabei angeschossen.
Jahre später wird im heutigen Schweden der Leiter der Kriminalpolizei, Gunnar Berg, schwer verletzt und geht vorzeitig in den Ruhestand. Kaum hat Kommissarin Ingrid Nyström dessen Position übernommen, wartet auch schon der erste Fall auf sie: Ein alter Mann, grausam entstellt, wird in seinem Glashaus zwischen Pflanzen und Schmetterlingen tot aufgefunden. Der kleine Finger wurde ihm abgeschnitten. Gemeinsam mit Stina Forss, der neuen Kollegin aus Deutschland, versucht sie herauszufinden, was passiert ist. Der Chef der Spurensicherung, Bo Örkenrud, findet schnell heraus, dass die Verätzungen im Gesicht durch Branntkalk hervorgerufen wurden. Balthasar Melchior Frost, so der Name des Toten, musste unverstellbare Schmerzen erlitten haben.
Schon bald gibt es Hinweise, die in die Vergangenheit weisen. Nach Jerusalem. Stina Forss reist nach Jerusalem und stellt dort eigene Ermittlungen an. Währenddessen stoßen auch Ingrid Nyström und ihre Kollegen in Schweden auf weitere Spuren.

Der erste Fall für Ingid Nyström und Stina Forss ist spannend geschrieben und die Handlung sehr raffiniert. Durch neue Erkenntnisse, die die Autoren immer nur „häppchenweise“ auf die Ermittler verteilen, nimmt die Spannung nie ab und es gibt immer wieder kleine Wendungen, die den Leser überraschen.
Charakterlich überzeugend und gut dargestellt sind die beiden Kommissarinnen Ingrid Nyström und Stina Forss. Jede hat ihre eigene Vergangenheit, auf die in dem vorliegenden Krimi auch eingegangen wird. Ingrid ist ruhig und besonnen, Stina dagegen ist eher impulsiv und agiert teilweise auch sehr aggressiv.
Gespannt bin ich darauf, wie sich die Zusammenarbeit des Kommissarinnen-Duos Nyström/Forss in den weiteren Bänden entwickelt. Die Kommissarinnen sind charakterlich extrem unterschiedlich und vor allem Stina Forss scheint gerne ihre eigenen Wege zu gehen. Ingrid Nyström ist als Chefin noch unerfahren und setzt sich gegenüber der neuen Kollegin noch nicht durch. Das merkt man daran, dass Stina Forss auf eigene Faust nach Israel reisen kann, ohne die Konsequenzen tragen zu müssen. Auch ist in dem Buch kaum die typische Mentalität eines Ermittlerteams zu spüren. Vielmehr scheint jeder alles allein zu machen. Ingrid ist zwar offiziell die Chefin, in ihrem Verhalten und in dem Schreibstil kommt das aber noch nicht an.

Ich bin auf weitere Bände des Autoren- und Ermittlerduos gespannt und hoffe, dass Nyström und Forss als Team noch besser zusammen finden – trotz der unterschiedlichen familiären Hintergründe! Und zwischendurch darf auch gerne noch ein wenig mehr Teamgeist spürbar sein :-)

Mittlerweile sind weitere Titel des Autorenduos erschienen: „Rotwild“ und „Aus eisiger Tiefe“